14.01.11

Grippewelle steht kurz bevor

Die Zahl der bestätigten Grippefälle in Deutschland steigt deutlich an. "Daran ist aber nichts unüblich. Weder die Häufigkeit noch der Zeitraum", sagte Susanne Glasmacher, Sprecherin des Robert Koch-Instituts (RKI) in Berlin. Nach den jüngsten Zahlen des Nationalen Referenzzentrums für Influenza vom Mittwoch (12.1.2011) bestätigten sich in der ersten Januarwoche 39 Infektionen mit dem Schweinegrippevirus H1N1. 10 Krankheitsfälle wurden darüber hinaus durch Grippeviren des Typs B ausgelöst. Beides sind mit Abstand die höchsten Werte seit Oktober. Die realen Zahlen können höher liegen, denn nicht jeder Patient mit Grippesymptomen geht zum Arzt.

Die Besonderheit der beginnenden Grippewelle sei, dass wie bei der zurückliegenden Pandemie verstärkt schwere Verläufe und Todesfälle bei Kindern und jungen Menschen zu verzeichnen seien, sagte Glasmacher. Die Ansteckungszahlen seit Oktober zeigen, dass die Grippe auch in diesem Winter vor allem Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene und Menschen bis 59 trifft. Senioren ab 60 sind nach den RKI-Zahlen deutlich weniger betroffen.

Von Oktober bis zum 7. Januar sind dem RKI sieben Tote in Zusammenhang mit einer Schweinegrippe-Infektion gemeldet worden: drei Fälle aus Niedersachsen, drei aus Bayern und einer aus Sachsen. Im Verdacht stehen seitdem drei weitere bekanntgewordene Todesfälle aus Köln, Ostwestfalen und Göttingen.

Auch in diesem Jahr ist die deutliche Mehrheit der Grippekranken mit dem Schweinegrippevirus H1N1 infiziert. Nach wie vor verläuft eine Erkrankung jedoch in den meisten Fällen problemlos. Deshalb reicht aus RKI-Sicht die Empfehlung der Ständigen Impfkommission aus, chronisch kranke Kinder und Jugendliche gegen Grippe impfen zu lassen.

Der Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte hatte empfohlen, den gesamten Nachwuchs zu immunisieren. Kinder seien besonders stark gefährdet und auch Hauptüberträger von Grippe. Das Impfen aller Kinder schade natürlich nicht, ergänzte die RKI-Sprecherin. Zum jetzigen Zeitpunkt mache eine Impfung für die üblichen Risikogruppen, zu der erstmals auch Schwangere zählen, noch Sinn. Bis sich der Impfschutz aufbaut, dauert es bis zu 14 Tage.

Der saisonale Impfstoff deckt in diesem Jahr außer dem Schweinegrippevirus H1N1 auch zwei weitere Virustypen ab, die gleichfalls bereits in geringem Ausmaß in Deutschland zirkulieren, darunter den Typ B. In anderen Ländern Europa ist die Erkrankungssituation ähnlich.

In einer Grippesaison sterben in Deutschland im Durchschnitt mehrere Tausend Menschen in Folge der Erkrankung, schätzen Experten. Die Zahl schwankt jedoch erheblich. So kann es in einer milden Saison so gut wie keine Todesfälle geben, in einer starken Saison dagegen 30 000. In der Regel sind Ältere stärker betroffen als Jüngere. Das ist beim Schweingrippevirus jedoch umgekehrt.

Quelle: dpa